Chaos nach KSV-Sieg gegen Pfullendorf
Kassel. Das 1:0 des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel gegen Pfullendorf interessierte am heutigen Freitagabend nach Abpfiff kaum noch. Es gab gleich mehrere Nachrichten, die das Spiel und das Ergebnis an diesem Abend überlagerten.
Zu allererst: Pfullendorfs Spieler Timo-Peter Werne wurde nach einem Zusammenbruch gegen Ende der Partie mit dem Notarztwagen ins Krankenhaus gebracht. Über seinen Zustand konnte auch Pfullendorfs Trainer Kristijan Djordjevic während der Pressekonferenz nichts sagen. Der Schock war aber auch ihm durchaus anzumerken.
Völlig losgelöst davon ergab sich vor dem Kasseler Auestadion eine Lage, die ebenfalls – wenn auch auf ganz andere Art und Weise – erschrecken musste: Aufgebrachte Anhänger skandierten laut: „Vorstand raus“. Als die Polizei später anrückte, warfen einige der 50 sogenannten Fans mit Flaschen, wie Walter Weber, Polizeiführer vom Dienst, am späten Abend berichtete. Vom Vorstand soll sich keiner gezeigt haben, erklärte Weber. Noch Minuten vorher war zumindest Geschäftsführer Giuseppe Lepore in einem der Innenräume des Stadions.
Schon während der Begegnung gab es Unmutsäußerungen der Fans. Sie brüllten in Richtung Mannschaft: „Wir sind Kasseler und ihr nicht.“ Es gab zudem Rufe gegen den Vorstand, gegen Dirk Lassen, den Aufsichtsratsvorsitzenden, und Pfiffe gegen die Mannschaft, die trotz des 1:0-Erfolges gegen den Tabellenletzten eine schlechte Leistung bot. Auch ein Plakat gegen Co-Trainer Christoph Keim kam zum Vorschein: „Ärger im Keim ersticken“, stand darauf, wobei Keim als einziges Wort in Rot geschrieben war.
Auch die Pressekonferenz nach der Begegnung war bemerkenswert. Nach der Einschätzung des Pfullendorfer Coaches kam KSV-Trainer Christian Hock zu Wort. Er wolle nichts zum Spiel sagen, erklärte der 41-Jährige. Der Zusammenbruch des Pfullendorfers Werne zeige, dass es wichtigere Dinge im Leben gebe als das Spiel an sich.
Daran an schloss sich Hocks Erklärung in eigener Sache: „Wir hier alle lieben und leben den Fußball“, sagte er. Aber was in den vergangenen Tagen abgelaufen sei, das könne er als Familienvater nicht tolerieren. Seine Spieler hätten Schläge angedroht bekommen, und er selbst habe eine Morddrohung erhalten. Er rügte auch die Medien, die womöglich einen kleinen Beitrag dazu geleistet hätten.
Nach seinen Ausführungen beendete KSV-Sprecher Torsten Pfennig die Pressekonferenz. Fragen von Journalisten wurden nicht zugelassen. Hock verschwand wortlos. Schon während der Partie war er auffallend ruhig gewesen. Fast die meiste Zeit saß er – im Gegensatz zu früheren Partien – auf seiner Bank.
Auch die Spieler sagten – nichts. Sie gingen gruß- und wortlos in die Kabine, nachdem sie unmittelbar nach der Begegnung den Versuch starteten, mit den Fans in Kontakt zu treten. Den brachen sie dann aber auch ab. Schon während der Woche hatten sie einen Presseboykott ausgerufen – das Problem war nur: Bei dieser Besprechung hatte laut eines KSV-Verantwortlichen Verteiger Tim Knipping gefehlt. Und danach hatte ihn die Mannschaftsführung wohl nicht informiert – womöglich aus Versehen.
Quelle www.hna.de