Icke in der Allianz-Arena…
Ja, war schon geil, muss ick sagen.
Doch vorher erstmal…wie alles begann:
Es ist der 30. Juli, ein Donnerstag, 13 Uhr! Ich steh auf und taumel sichtlich davon überfordert in die Küche herunter. Es riecht nach gebackenen Brötchen, wie immer, wenn ich so früh aufstehe. Ich bin in einem kleinen Örtchen im Landkreis Fürstenfeldbruck. Meine Tante und mein Onkel, die vor vielen Jahren dorthin ins Ausland gewandert sind, leben dort. Ich besuche sie wieder einmal, nach Februar, habe diesmal meine Freundin mitgenommen (ja, scheint was ernstes zu sein…), die grinsend in der Küche sitzt und mich belustigt beobachtet. “Guten Morgen”, kommentiert sie mein plötzlichen Erscheinen. Ich wollte es erwidern, gab stattdessen aber nur irgendetwas unverständliches von mir. Mir ging es nicht gut, hatte mir den vorherigen Tag am Strand des Ammersees einen schönen, noch glühenden Sonnenbrand zugezogen. Als ich das am Strand bemerkt hatte, hatte ich mir noch gedacht: “Egal, das wird eh irgendwann braun.” Heute, hätte ich zumindest das egal allein des Schmerzes wegen weggelassen, weshalb ich halbnackt in der Küche stand. Für meine Freundin ein gewohnter Anblick, auch wenn sie mich gerne “oben ohne” sieht. Mich würde es auch stören wenn nicht, da ich ziemlich eitel bin und für den Körper den ich habe, schwer trainiert habe und weiterhin schwer trainiere.
Ich küsste meine Freundin auf die Stirn, nahm mir den Laptop auf den Schoß und stopfte mein Mund mit einem Brötchen zu, um erstmal nichts sagen zu müssen. Ich krümelte auf die Tastatur. Mir ging nur ein Gedanke durch den Kopf: “Scheiße”. Zu mehr war ich aber auch noch nicht in der Lage zu denken. Ich wollte auf LEX und mich bei Flitzer für den Biertipp bedanken, den ich nach Anfrage von ihr bekommen habe. Ich war grad am Schreiben, als das Telefon klingelte. Meine Freundin starrte mich an, mit der Aufforderung ans Telefon zu gehen, jedoch konnte ich nicht, schließlich müsste ich den Berg an Brötchen, den ich im Munde hatte, noch zerkauen und runterschlucken, ehe ich irgendetwas einsilbiges sagen konnte. Ich war halt noch nicht auf Betriebstemperatur…
Meine Oma ging ans Telefon. Laut dem Wortwechsel zwischen ihr und der Person auf der anderen Leitung, schien es meine Tante zu sein, mit der sie redete. Nach wenigen Worten reichte sie schon den Hörer an mich weiter. Meine Tante spricht ein wenig bayrisch, jedoch kann ich den Beweis ihrer Anpassung nicht so wiedergeben, weshalb ich folgenden Dialog mal in meiner Version wiedergebe (man möge mir verzeihen):
Sie: “Na, aus’m Bett jefallen?”
Ich: “Hmm…”
Sie: “Also ja…Du, ich hab für das Finale des Audi-Cups heute Karten. Willst du da mit deinem Onkel hin?”
Ich (verwirrt, aber auf einmal hellwach): “Wie, was? Echt jetzt?”
Sie: “Na, wenn ich’s sage. Willst du oder willst du nicht?”
Ich: “Is’ ja geil. Ja, klar. Heute steigt das Finale gegen Manchester, natürlich will ich hin.”
Meine Freundin, die gerade in der Zeitung las und aus ihrer Kaffeetasse trank, wurde nun hellhörig und sah mich mit ihren großen Augen an. Nach dem Telefonat erzählte ich ihr was ich heute Abend schönes vorhabe, hab den Laptop ohne weiterzuschreiben sofort ausgemacht, mich schnell geduscht und danach einen frischen Schlüppa angezogen.
Im Nachhinein erzählte sie mir, ich soll wie ein kleines Kind ausgesehen habe, das gerade seine Weihnachtsgeschenke bei Kerzenlicht öffnen darf. Ich teile ihre Meinung nicht…
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Wir hätten schon zum Spiel Boca Juniors – AC Milan gehen können, doch hätten wir dafür schon ziemlich früh losgemusst. Außerdem musste ich noch Zeit mit meiner Freundin verbringen (ist ja was ernstes) ehe sie mich loseisen würde. Im Stadion angekommen ließ ich mir erstmal erzählen, dass mein Onkel öfters bei Spielen der 60er ist mit einer Dauerkarte direkt hinter den Trainerbänken. Ebenso erklärte er mir die Funktion der Arena-Card. In jedem Fall ein interessantes System! Da ich die Karten für das Spiel momentan nicht finde und auch nicht mehr weiß in welchem Block wir waren, müsst ihr leider ohne diese Information leben.
Mein Onkel holte sich erstmal eine Rote Bratwurst oder wie die hieß und eine Cola, während ich mich von den hygienischen Verhältnissen der Toilette überzeugen wollte. Und mich erschrak, was ich sah: Hunderte von Männern standen sich auf wenigen Quadratmetern die Füße an den Einzeltoilettenwund , während an einem einzigen Massenurinal stets immer noch Platz für einen mit offener Hose zu sein schien. Es quetschten sich Männer an Männer, Glieder an Glieder und viele der Geschäfte schienen daneben gegangen zu sein. Anders kann ich mir die gelbe Suppe auf den ähnlich aussehenden Bodenfliesen nicht erklären. Es waren Zustände wie in einem afrikanischen Flüchtlingslager…es war…Perfekt! Dieses Umfeld hatt einfach etwas existenzielles, auch wenn es so roch, als ob einige Existenzen dort bereits geendet hätten. Nachdem ich das Urinal zumindest getroffen hatte und fertig war, suchte ich nach Waschbecken…vergeblich. Bin ich als Metropolenkind zu pinibel oder ist das Stadion einfach zu wider? Egal…auf mich wartete ein Spiel und wenn sich keiner die Hände wusch, brauchte ich auch kein schlechtes Gewissen haben.
Dann quetschten sich wie in den Toiletten auf den Rängen genauso Mann an Mann, nur diesmal ohne den kleinen Lümmel. Ab und zu sah ich auch mal eine Frau irgendwo sitzen (obwohl der Rest eigentlich stand) und ich muss sagen die Frauen dort waren hübsch. Nach einigen verstohlenen Blicken, begriff ich froh sein zu können, dass meine Freundin nicht dabei war.
Das Spiel der argentinischen und der italienischen Mannschaft lief noch. Wir kamen noch rechtzeitig zum Ausgleich der Argentinier, der zum Elfmeterschießen führte. Als Ronaldinho als erste Schütze antrat riefen alle Bayern erstmal “Superstar!“. Mir tat er irgendwie leid, lustig war’s trotzdem.

Beim Elfmeterschießen sah auch der italienische Superstar Andrea Pirlo (das is’n Typ!) aus wie hingestellt und nicht abgeholt:

Direkt nachdem Milan das Spiel im entscheidenden Elfmeterschießen verloren hatte, spielten die Bayern gegen Manchester United. Die Mannschaft hatte sich schon während des Elfmeterschießen warm gemacht, auf dem gegenüberliegenden Feld.

Das Spiel war aber im Großen und Ganzen nicht besonders spannend. Rensing zeigte gewohnte Schwächen ins Spiel aktiv eingreifen zu können und ein einfaches “den-Ball-nach-vorne-schlagen” landete bei ihm bis auf zwei Ausnahmen im Aus. Die stärkste Leistung zeigte Van Bommel, der in der zweiten Halbzeit für Altintop ausgewechselt wurde. Der Niederländer gewann alle seine Zweikämpfe, während mit dem Türken die ersten zehn Minuten ein wenig frischer Wind im Spiel der Münchener bließ. Genutzt hatte es trotzdem nichts. Als dann Wayne Rooney in der 79. Minute eingewechselt wurde, jubelten sogar die Bayern mit. Respekt vor dem Respekt…
Im Elfmeterschießen bin ich dann meine gewohnte Gelassenheit auch losgeworden. Ich fieberte für die Bayern mit (ich nenn’s Patriotismus) und erstmalig konnte sich Rensing beweisen in diesem Spiel.
Rensing hält!
Der Trottel, der die ganze Zeit “Jaaaaaaa, Jaaaaaa, Jaaaaa” brüllt, das bin ich.
Im Anschluss hat ihn Van Buyten auch noch hereingemacht und somit für seine Mannschaft den Sieg geschossen. Bayern gewann den Audi-Cup, ich war dabei.
Ja, war schon geil, muss ick sagen.
Damit auch ihr in den Genuss kommt: hier seht ihr, wie Rensing hält:
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