GER 2-0 RSA
Guten Abend meine Damen und Herren,
Ich begrüße sie mit einem herzlichen Bäm und möchte vornherein das neueste von mir kurz in einem Absatz darstellen: Nachdem ich am Montag mit einer schönen, blutenden Platzwunde ins Krankenhaus der Charité eingeliefert worden war und der Arzt bis auf den üblichen Hirnschaden nichts weiteres festgestellt hatte, geht es mir am Samstag zum Länderspiel wieder gut. In der Schule läuft alles wie gehabt (sechs Hausaufgaben), laut dem Wahlomat sollte ich die Republikaner und DVU wählen (was ich absolut nicht vorhabe) und privat ist auch alles beim Alten.
‘Alles beim Alten’ ist nebenbei ein Stichwort, das sich Joachim Löw nicht unbedingt weiter nachsagen lassen wollte. Das Spiel gegen die Republic of South Afrika sollte frischen Wind in die Mannschaft bringen, die zuletzt häufig in den Medien aufflammende Kritik gegen den Bundestrainer unterbinden und durch ein überzeugendes Spiel einen euphorischen Blick in Richtung WM-Qualifikation geben. Ob das nun geklappt hat oder nicht, wird jeder festgestellt haben, der das Spiel gesehen hat.
Nachdem mein brasilianischer Freund, der nach seiner 6 Wochen Urlaub an der Copacabana, sich bei mir beschwert hatte, dass wir Deutschen doch viel zu trist und vermeckert wären und ich ihm mit einer Ausweisung gedroht hatte, fiel mir doch auf, dass er eigentlich recht hat. Aufgefallen war es mir daran, dass ich vermeckert und trist das Spiel gegen Südafrika erwartet hatte. Ich ging nicht wirklich davon aus, dass das Ziel des Bundestrainers erreicht werden konnte und hatte einerseits recht und andererseits doch nicht. Nur zur Erwähnung: Die Sklaven- & Kolonialherrenwitze hab ich mir verkniffen…
Das Spiel der Deutschen fing engagiert an. In der 7.Minute kam es zur ersten Chance, bei der Özil ein schönes Zuspiel zu Gomez gelang, der den Ball aber nicht ins Tor unterbringen konnte. Die erste Viertelstunde hatte Deutschland drei ordentliche Torchance, die aber allesamt nicht in ein Tor umgemünzt werden konnten. Die Südafrikaner waren um ein ähnlich sicheres Spiel bemüht wie die Deutschen, konnten aber in ihren Staffeten nicht lange den Ball halten, ehe stark drückende Deutsche, wie oftmals Marin, den Ball erobern konnte, dann aber an Fernandes scheiterten.
In der 14.Minute kam es dann auch zum ersten Foul des Spiel. ‘My Gama is fairplay’ eine Überschrift, die für den Abend doch bezeichnend war, auch wenn die Südafrikaner etwas ruppiger agierten, als die Deutschen. Die Bafana Bafana hatten dem drückenden Pressingspiel des Gastgebers nicht viel entgegen zu setzen. Das beste Beispiel waren die vielen Ballverluste und ein Konter über Pienaar und Madilela, der darin enden musste, dass die deutsche Abwehr wieder aufgerückt waren.
Das Spiel schien sich nicht von den anderen der deutschen Nationalmannschaft zu unterscheiden: Im allgemeinen nüchtern und dezent, trotz mancher, schöner Einzelaktionen. So zum Beispiel auf Marin in der 24.Minute, der jedoch abgedrängt wurde und nicht mehr aufs Tor schießen konnte, so auch in der 27 Minute, als Özil auf Gomez passt, der Ball jedoch von einem Südafrikaner abgefangen wurde. Die Überlegenheit der Deutschen war zwar repräsentativ für das Spiel, doch noch nicht ausschlaggebend für das Ergebnis. Nach der ersten halben Stunde ergaben sich schon manche kuriose Bilder, bei denen Südafrika mit bis zu neun Feldspielern ihren eigenen Strafraum belagerten, was aber nicht Grund für das bisherige 0:0 war, da die Deutschen, vor allem dank des kreativ, gut aufspielenden Özils zu einigen Chance kamen.
In der 36.Minute war es dann endlich so weit. Nach einer schönen Ballstafette von Rolfes über Özil, zu Ballack, der dann Gomez in Szene setzte, der wiederum nur noch einzuschieben brauchte. Die bisher schönste Ballkombination im Testspiel. Doch direkt im Anschluss musste Rene Adler erstmalig sein gesamtes Können aufbringen, um die Retourkutsche zum Stoppen zu bringen. Arne Friedrich prüfte für Südafrika den Nationaltorhüter, was deprimierend für die Afrikaner gewirkt haben könnte, das nicht einmal die eigenen Spieler es schafften ’sich eins hinten reinzuhauen’. Weitere Auffälligkeiten gab es nicht mehr in der zweiten Halbzeit.
Manche Spieler wie Schäfer oder Schweinsteiger blieben recht unauffällig, Deutschland war bemüht, doch hätte man schon mehr als ein 1:0 erwarten können, auch wenn das Spiel bisher recht zufriedenstellend lief.
Zur zweiten Halbzeit wurde dann Bankdrücker Klose, Flautenjunge Poldi und Mühelos-Westermann eingewechselt. Die routierenden Deutschen begannen die ersten drei Minuten wieder agil, hatten eine Torchance, doch fielen dann wieder in einen gelangweilten Trott, als ob sie sich ihr eigenes Spiel ansehen müssten, was ich ihnen jedoch nicht zumuten will. Die nächstbeste Chance hatte erst Ballack nach einer Ecke, dessen Kopfball zuerst beim Innenpfosten und dann beim südafrikansichen Torhüter landete.
Der beste Mann auf dem Feld war definitiv Rene Adler. Obwohl ich immer der festen Überzeugung war Manuel Neuer wäre als Nationaltorhüter am idealsten, muss ich das jetzt definitiv nocheinmal überdenken. Adler hatte eine sehr überzeugende Leistung abgelgt, die Bälle, die aufs Tor gebrettert kamen, immer gefangen und aktiv am Spiel teilgenommen, indem er langen Bällen entgegenrannte oder entgegensprang, je nachdem wie gerade die Situation war.
Doch die Schönste Szene des gesamten Spiel sollte dann in der 77.Minute stattfinden: Schweinsteiger passt von der Mitte des Feldes zu Klose, der auf den startenden Özil weiterleitet. Der junge Deutschtürke verwandelte sicher und zauberte wohl jedem Fußballiebhaber ein Lächelns ins Gesicht. Die Deutschen hatten wunderbar die sich andeutenden Lücken in der Abwehr der Afrikaner wunderschön ausgenutzt und sich zum Sieg geschossen.
Viel geschah danach nicht mehr…Also…Wo hatte ich recht und wo nicht?
Wie viele anderen pauschalisiere ich mal für mich die Vorkenntnis, dass sich im Spiel der Deutschen nicht viel geändert hat. Attraktiver Fußball ist weiterhin Mangelware und taucht höchstens in wenigen Fragmenten des Spiels auf. Die Deutschen bleiben euphemistisch ausgedrückt weiterhin effizient und können die Leistungen der WM wiedereinmal nicht reproduzieren. Jedoch – und das ist wirklich positiv zu erkennen – bringt Özil äußerst frischen Wind ins Spiel der Deutschen. Auch wenn Kardinal Kahn zur Mäßigkeit predigt, kann man von dem gerade einmal 20-jährigen Bremer viel in der Zukunft erwarten. Er war mit Adler der auffälligste Akteur auf dem Platz, riss das Spiel an sich, als ob man es ihm wegnehmen wollte und drückte der Partie seinen ganz persönlich Stempel auf. Für mich die Note 1- an Özil und Adler. Annähernd gute Leistung hatte auch Podolski gezeigt. Ein Raunen ging durch mein Zimmer, als er seine beste Szene des Spiel hatte – Als er vom Platz ging…
Auch wenn Podolski immer gute Leistungen in der Nationalmannschaft gezeigt hatte, was ich als Argument total nachvollziehen kann und auch verstehe, hätte ich Kießling ihm oder Klose auf jeden Fall vorgezogen. Da ich aber nicht in die selbe Kerbe wie die Werder-Führung und Boulevardblätter schlagen möchte, füge ich mich der Entscheidung Löws in Betracht dessen, dass es “nur ein Test- und ein Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan” ist. Zur WM würde die Entscheidungen des Nationaltrainers sicher leistungsorientierte ausfallen, als vielleicht die letzten Wochen. Alles in allem blicke ich mit großem Interesse auf das Spiel am Mittwoch und freue mich auf eine Überraschung, wie sich die Deutschen präsentieren werden…
Gute nacht und noch viel Spaß!
PS: In diesem Spiel hat sich der Sozialdarwisimus doch durchgesetzt!
Bäm Man, euer Kolonialherr
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06. September 2009 um 18:27
…damit du merkst, dass deine Beiträge auch gelesen werden… hier ein Kommentar…
…ach ja hoffe dein “Hirnschaden” ist nichts ernsthaftes…?